Engels Zweigstelle des staatlichen Archiv Saratower Gebiet
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Filiale des Staatsarchivs des Saratower Gebiets in der Stadt Engels (EF GASO)

Direktorin: 

Verdiente Kulturschaffende der Russischen

Stellvertreterin: Skutschajewa Olga Jewgenjewna

Stellenplan: 13 Mitarbeiter inklusive 11 Haupt- und Führungsspezialisten. Genealogische Forschungen werden von erfahrenen Führungsspezialisten ausgeführt. 

Geschichte der Filiale des Staatsarchivs des Saratower Gebiets in der Stadt Engels zieht die Aufmerksamkeit von Gelehrten aus mehreren Ländern auf sich, was eigentlich kein Wunder ist. Ebendasselbe Archiv bewahrt ja die Hauptmasse der Dokumente über die Geschichte der Wolgadeutschen seit dem Moment deren Ansiedlung in den Jahren 1764-1767 und bis zu deren Übersiedlung im Jahre 1941 auf.

Das Archiv ist am 20. August 1923 als Archivbüro des Wolgadeutschengebiets geschaffen worden (seit dem Januar 1924 wurde es zum Zentralarchivverwaltung der ASSR WD—Autonomen Sozialistischen Sowjetrepublik der Wolgadeutschen—gemacht).

1922 wurde der Pokrowsker Ujesd (Kreis) dem Wolgadeutschengebiet einverleibt, und Pokrowsk wurde dessen Hauptstadt. Im März 1922 warf man die Frage über die Bildung von dem Archiv des neuen national-territorialen Gebildes auf. Am 20. August begann das Archiv seine Tätigkeit.

Der erste Leiter des Archivs war Piskunow Michail Fjodorowitsch, Absolvent der Charkower Universität, der früher in den Archiven der Außen-und Justizministerien und des Hauptmilitärstabes gearbeitet und sich unter anderem mit Zusammenstellung der Geschichte von dem Kosakengebiets des Don-Flusses beschäftigt hatte. 1924 wurde das Archiv zum republikanischen, weil die ASSR WD geschaffen worden war. In demselben Jahr sammelte M.F. Piskunow in zwei kleinen Zimmern in dem Gebäude des Vollzugskomitees der ASSR WD ca. 57 000 Fällen in Aktenbündeln. Also begann sich das Archiv vermittels der Dokumente von Dorfversammlungen und Wolost- bzw. Distriktverwaltungen zu bilden und vervollstänfigen. Es waren Dokumente, die aus den Territorien stammten, die durch Ausländer laut Manifesten der russischen Zarin Katharina II. besiedelt worden waren. Tausende von Auswanderer kamen aus verschiedenen Gegenden zersplitterten Deutschlands (Hessen, Baden, Trier, Sachsen, Holstein, Mainz usw.), der Österreich, Holland, Dänemark, Frankreich, Schweden und anderen Staaten. Der Weg der ersten Kolonisten bis zur Wolga war lang und strapaziös. Er umfaßte die Schwierigkeiten der Reise nach den europäischen Hafenstädten Lübeck und Danzig, dann die noch schwierigere Fahrt über die Ostsee in überladenen Schiffen bis Oranienbaum vor Sankt-Petersburg. Dann folgte die schwierigste Etappe der Reise, und zwar durch die grenzlosen Weiten Rußlands bis Saratow. Ebenderselbe letzte Abschnitt des Weges nahm mehr als ein Jahr in Anspruch. Eine ganze Menge Kolonistengräber ist an den Ufern dieses großen russischen Flusses verstreut. Aber trotz aller Strapazen wurden hier am rechten (Bergseite) und linken Ufer (Wiesenseite) 104 Kolonien in den Jahren 1764—1768 geschaffen, wo etwa 30 000 Seelen wohnten. Ebendiselbe Menschen legten das neue Volk in dem Territorium Rußlands an, und zwar das Volk der Wolgadeutschen. Als sie die Strapazen der ersten Jahre des Lebens an der Wolga überwunden hatten, als man darauf angewiesen war, Dörfer zu bauen, Neuland urbar zu machen, Angriffe von Nomaden abzuschlagen, erbrachten die Kolonisten erst am Ende des 18. Jahrhunderts erhebliche Leistungen. Am Anfang des 19.Jahrhunderts wurde dieses Territorium zu einem von den ökonomisch entwickeltsten in dem Wolgagebiet.

In der Mitte des 19.Jahrhunderts traf eine kleine Gruppe Mennoniten aus Preußen an die Wolga ein, die sich der Wehrpflicht laut Grundsätzen ihrer Religion entzogen.

In der Mitte des 19.Jahrhunderts gab es schon 170 Kolonien in dem Wolgagebiet, und um die Wende des 19. zum 20. Jahrhundert gab es 190 Kolonien (407.5 Tausend Menschen).

Das Hauptziel der Bildung des Archivs vor 80 Jahren bestand eigentlich darin, um in erster Linie die bis dann erhaltenen Dokumente des obengenannten Zeitabschnittes zu retten, sowie die über das Leben der Vertreter anderer Völker (Russen, Ukrainer, Tataren usw.), die in der Region auch wohnten. Aber einige Geschehnisse gereichten zum Verlust eines Teiles von unikalen Dokumenten. 1774 vernichtete Pugatschjow die Mehrheit der Materialien, die die ersten Jahren des Lebens der Kolonisten an der Wolga betrafen. Die Abschaffung des Kontors für Vormundschaft der Ausländischen Ansiedler in den 70sten Jahren des 19. Jahrhunderts führte auch zum teilweisen Verlust der Dokumente, die durch Beamten für «belanglos» erklärt worden waren.

Naturkatastrophen (Brände und Überschwemmungen), die Revolution und Bürgerkrieg, Zerstörung von Kirchen, Kälte und Hungersnot sowie Papiermangel der 20sten Jahre gereichten effektiver Aufbewahrung der Dokumente nicht.

Gegen 1930 bekam das Archiv das Gebäude eines ehemaligen Getredespeichers, das 1902 auf dem Zentralplatz der Hauptstadt der Deutschrepublik gebaut worden war. Es befindet sich dort bis jetzt noch.

Im Februar 1927 wurde Iossif Petrowitsch Prinz zum neuen Leiter des Archivs. Ein vormaliger Mitarbeiter derselben Anstalt, führte er die Arbeit seines Vorgängers weiter. Auf den neuen Leiter entfielen auch viele Schwierigkeiten.

Doch trotz aller Schwierigkeiten wurde die Arbeit nicht zum Stillstand gebracht, und das neue Gebäude wurde zum Anfang von großer Archivarbeit. Unter schweren Bedingungen schufen die Archivangestellten, um die Geschichte für die Nachwelt aufzubewahren. Am Tag beantworteten sie die Anfragen von Bürgern, am Abend untersuchten sie die Archivbestände und bereiteten diese bei Petroleumlampenlicht auf. Die Tätigkeit wurde durch wiederholte Ablösung der Chefs behindert, welche keine merkliche Spur in der Arbeit des Archivs hinterließen. Junge Kader aber, solche wie P.G.Krause und A.I.Martynowa, die in dem Archiv 1931 zu schaffen begonnen hatten, arbeiteten, studierten an den Weiterquelifizierungskursen bei dem Moskauer Historisch-Archivinstitut und taten alles mögliche, um die Arbeit des Archivs zu verbessern. Die letzten 14 Jahre ihres Dienstes, ehe sie 1958 in die Rente ging, war Praskowja Grigorjewna Krause als Direktorin tätig.

Am 1. Januar waren im Archiv 1475 Bestände, die 320195 Fälle umfaßten, gesammelt worden.

Am härtesten wurden aber die Archivare und Dokumente vom Schicksal nach dem Ausbruch des Großen Vaterländischen Krieges 1941 heimgesucht, d.h. nach dem Erlaß des Obersten Sowjets der UdSSR vom 28. August 1941 “Über die Übersiedlung der Deutschen, die in den Rayons des Wolgagebiets wohnen”. Der Krieg gegen Faschisten unterbrach die schöpferische Arbeit der Archivare. Es begann das dringliche Sammeln der am Ort bleibenden Dokumente. Trotz des strengen Befehls des Innenministeriums der ASSR WD “Über die Sicherstellung der Aufbewahrung der dokumentarischen Materialien der Anstalten, Organisationen und Betriebe der ASSR WD” konnte man einigen Verlusten nicht vorbeugen.

Gemäß dem Befehl vom 13.Oktober 1941wurde das Zentrale Staatsarchiv der Republik abgeschaffen, dann wurde es zur Filiale des Staatsarchivs des Saratower Gebiets.

Es begannen die Evakuierung der Dokumente, ihre Übergabe nach Moskau, Wiederevakuirung, Übergabe der Standesbücher an Standesämter, Übergabe einer Reihe Bestände (des Kontors für Vormundschaft der Ausländischen Ansiedler aus 1096 Aktenbündeln bwz. Fällen) ans Wolgograder Archiv. Nach der Abschaffung der Deutschrepublik wurden 15 Kantone dem Saratower Gebiet und 7 Kantone dem Wolgograder Gebiet einverleibt (laut Erlaß des Präsidiums des Obersten Sowjets der UdSSR vom 7. September 1941). Dementsprechend wurden dem Wolgograder Archiv auch mehr als 350 Bestände aus 17 Tausend Einheiten übergeben. Also wurde das Archiv der Dokumente entbehrt, die die Geschichte der Besiedlung und wirtschaftlichen Gewinnung eines Teiles des Wolgaterritoriums von Ausländern spiegelten—der von Wolostverwaltungen und Dorfversammlungen aus Seewald (Werchownoje), Neudenhof (Nowoje), Peskowka (Kolb), Neubauer, Josefsthal, Hussenbach, Dittel u.a. Dasselbe Los war den Kirchendokumenten zuteil. Evangelisch-lutherische und römisch-katholische Materialien aus den Dörfern Walter, Hussenbach, Kraft, Kano, Marckel, Stefan u.a. wurden der Kamyschiner Filiale übergeben, sowie die Archivbestände der Betriebe und Organisationen der Sowjetperiode—die der Kanton- und Wolostvollzugskomitees, der Dorfsowjets, Kriegskomissariate, Gewerkschaften, Maschinen- und Traktorenstationen, Sowchose und Artelen (Genossenschaften) aus den Kantonen von Gmelinka, Pallassowka, Staraja Poltawka, Ilowatka, Dobrinka, Erlenbach und Frank.

Die Hauptmasse der Dokumente über die Geschichte der Besiedlung der Wolgagegenden von Kolonisten und der ersten deutschen Autonomie, was ca. 180 Tausend aus beinahe 214 Tausend Aktenbündel umfaßt, wird heute im Archiv aufbewahrt.

Viele Jahre war das Archiv geschlossen und dessen Lesesaal funktionierte nicht. Tatsächlich wurde er am Anfang der 90ster für Forscher zugänglich. Das Archiv nicht nur verwahrt die Dokumente, sondern auch verwendet sie weitestgehend.

Es beantwortet genealogische Anfragen, sammelt Dokumente über Wolgadeutschengeschichte und übernimmt sie von öffentlichen Organisationen und Privatpersonen. 2002 wurde unser Archiv mit Dokumenten der deutschen öffentlichen Organisation VDA vervollständigt. Man wird den persönlichen Bestand eines von den Sammlern der kulturellen und geschichtlichen Materialien über Wolgadeutschen kreieren.

Die Archivare setzen die Sammel- und Verwendungsarbeit fort, kooperieren mit Forschern, Wissenschaftlern, Museumangestellten, Bibliothekaren unseres Landes und—während des letztlichen Jahrzehntes—mit Gelehrten aus Deutschland, den USA und anderen Lädern.

Hochgestellte Gäste besuchen oftmals des Archiv. Unter ihnen: W.A. Michajlow—Minister für Angelegenheiten der Föderation und der Nationalitäten der RF; sein Stellvertreter B.B. Chamtschijew; Herr von Studnitz—Botschafter der BRD in der Russischen Föderation; Herr Welt—Bevollmächtigter der Regierung der BRD für Angelegenheiten der Aussiedler; Herr Wokalek—Generalkonsul der BRD in Saratow; Herr D. Geier—Leiter der AG “Wolga-Entwicklung”; Mitglieder der gemeinschaftlichen russisch-deutschen Komission und andere Amtspersonen. Die wiederholten Empfänge von Ehrengästen, Touristendelegationen aus Deutschland, amerikanischen Staatsangehörigen, deren Vorahnen wolgadeutsche Auswanderer waren, deutschschreibenden Forschern und Studenten ließen uns schlußfolgern, daß es notwendig ist, dokumentarische Ausstellungen unter Berücksichtigung der Interesse jedes einzelnen Auditoriums zu veranstalten.

Jelisaweta Moissejewna Jerina hat mehr als 43 Jahre im Amt der Direktorin der Filiale des Staatsarchivs des Saratower Gebiets in der Stadt Engels (EF GASO) gearbeitet. Während dieser Tätigkeit hat sie eine erhebliche Gesamtheit von Dokumenten aus 1806—2000 zusammengebracht—sowohl von ihr selbst geschaffen, als auch gesammelt, die ihren persönlichen Bestand gebildet haben. Unter ihrer Leitung wurden Generalreparaturen mehrmals ausgeführt, und das Getreidespeicher wurde zur Aufbewahrung der Dokumente umfunktioniert. Zusatzliche Räume sind dem Archiv angebaut worden, was die Arbeitszimmer der Angestellten erheblich erweiterte. Zentralheizung wurde installiert, das Dach wurde von neuem gedeckt. Es sind annehmbare sanitär-hygienische Bedingungen im Archiv geschaffen.